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Lob auf den Naturismus“

 

Gelesen von Christoph Müller

 

Geht es unter Naturisten darum, sich zwanghaft der Kleider zu entledigen, oder darum, das Nacktsein als Freude zu empfinden ? Der Naturist Richard Foley gibt mit seinem Buch „Active Nudists“ eine klare Antwort. Es geht um den Spaß am hüllenlosen Leben. Die naturistische Grundidee verbindet er mit einem Optimismus, an dem es sich lohnt zu orientieren.

 

Foley zeigt, dass das Nacktsein etwas von Naturverbundenheit und Authentizität des Einzelnen hat.Es ist die Ungezwungenheit, die sich in den zahlreichen Fotos, die den Betrachter überzeugt. Es sind zwei junge Frauen, die mit Leichtigkeit ihre Nacktheit am Strand zeigen. Die Ästhetik des Motivs ist letztendlich diejenige, dass es niemandem um ein Posing geht. Es sind die Paddler auf einem Binnengewässer, die nichts Besonderes mit der eigenen Entblößtheit zeigen wollen. Auch das unbekleidete Yoga hat nichts Aufgesetztes.

 

Das Buch „Active Nudists“ will nichts anderes als „ein Hoch auf nackte und aktive Menschen in aller Welt“ in die Welt rufen. Damit dies gelingt, hat Foley eine seltene Verkündigung gewählt. Es ist ein Buch, das in drei Sprachen geschrieben ist. In deutscher, englischer und französischer Sprache schreibt Foley sein Lob auf den Naturismus. Der internationale Charakter des Buchs zeigt sich immer wieder, weil es Foley gelingt, einen multinationalen Blick auf das Nacktsein zu ermöglichen.

 

Seine Ermutigung geht so weit, dass er die Leserin bzw. den Leser auffordert, im Adam-und Eva-Kostüm das Buch zu lesen. Selbst kritische Äußerungen zu gesellschaftlichen Sichtweisen lässt sich Foley nicht nehmen. Beispielsweise schreibt er: „Kaum zu glauben, was Leute alles an Fantasien entwickeln können, wenn ihre Vorstellungskraft streng kontrolliert und deshalb einerseits unzulässig beschränkt und andererseits durch äußere Einflüsse schnell pervertiert wird … eigentlich kann einem ja fast alles als erotisch erscheinen, wenn man nur lange genug darüber nachdenkt, und es bleibt fraglich, ob die sexuellen Assoziationen in vielen Fällen überhaupt notwendig sind. Wenn Sie es einmal selbst ausprobieren, werden Sie feststellen, dass Sex das Letzte ist, was man als Nacktradler im Sinn hat ...“ (30)

 

Foleys Gedanken klingen überzeugend. Wenn er über das Nacktsein zuhause und im Garten nachdenkt, sinniert er gleichzeitig über den gegenseitigen Respekt zwischen nackten und bekleideten Menschen. Wenn er schreibt, der durchschnittliche Nacktivist wolle im täglichen Leben soviel Zeit nackt verbringen, wie es praktisch machbar sei, trifft er sicher den Nagel auf den Kopf. Demgegenüber schaut er auf die Nudisten, „die ein Vereinsumfeld brauchen, und den Naturisten, die ein privates, abgeschiedenes Areal benötigen“. Er unterstreicht: „Die nacktive Prämisse lautet vielmehr, dass Nacktheit vollkommen in Ordnung ist – überall, zu jeder Zeit und bei wem auch immer.“ (62)

 

Nacktsein hat auch in der Gegenwart immer etwas Spektakuläres, vor allem, wenn es in der Öffentlichkeit stattfindet. Foley nimmt dem Unbekleidetsein diesen außergewöhnlichen Charakter, indem er das Nacktsein ganz alltäglich hinnimmt. Was dies für die Freundinnen und Freunde der Freikörperkultur bedeuten kann, könnte sich jeder in einer stillen Stunde selber beantworten. Demnach beantwortet sich die Frage nach dem Anankastischen des Nacktseins ganz von alleine. Hätten wir mehr Botschafter des Naturismus wie Richard Foley.

 

Richard Foley: Active Nudists: Naked Living at Home and in Public, Edition Reuss, Aschaffenburg 2009, ISBN 978-3-934020-68-9, 118 Seiten, antiquarisch erhältlich.