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Den Campingplatz als Tatort erschlossen“

 

Gelesen von Christoph Müller

Es ist eigentlich unglaublich, dass ein Campingplatz der Hort des Bösen sein kann. Die Kriminalautorin Christiane Wünsche macht den „Eifelwind“-Platz in der Nähe des Dorfes Steinbach zu einem wahrhaftigen Tatort. Es ist eine winterliche Ruhe auf dem Campingplatz, die urplötzlich gestört wird von einem aus dem Gefängnis geflohenen Bankräuber und Mörder. Wo lange Zeit Beschaulichkeit geherrscht hat, stört die Verträumtheit der Region die Unruhe der Suche nach einem Verbrecher. Wo sonst Wanderer und andere Touristen die Eifel-Ruhe stören, dort brechen plötzlich Polizisten eines Sondereinatzkommandos in die Welt ein.

 

Mit dem Kriminalroman „Bleischwer“ ist es Christiane Wünsche gelungen, eine neue Welt für die Krimis zu erschließen. Dies gelingt ihr auf eine raffinierte Weise. Denn Wünsche blickt nicht auf die Gartenzwerge – Romantik mancher Campingplätze und kritisiert möglicherweise die Menschen, die dies zu schätzen scheinen. Sie lässt die Wucht des Alltags in die Romantik der Eifel einbrechen, die für so manchen Stadtmenschen immer noch wie eine unberührte Welt wirkt. Es wird deutlich, dass sie selber große Freude am Camping zu haben scheint. Die Detailfreude bei der Beschreibung von alternden und neueren Wohnwagen lässt dies vermuten. Sie hat wohl auch ein Lächeln im Gesicht, wenn sie die Gewohnheiten in der kleinen Kneipe des Campingplatzes beschreibt.

 

Die Protagonistin Jule lernt auf dem „Eifelwind“-Platz den sympathischen Michael kennen. Er hat eine dunkle Vergangenheit. Seine Verwandten, die den Campingplatz bewirtschaften, geben ihm die Gelegenheit, ein bürgerliches Leben zu führen. Michael zieht Jule in seinen Bann und unter seine Bettdecke. Dies verändert das Leben Jules in einer Art und Weise, die sie vor ihrem Aufenthalt auf dem „Eifelwind“-Platz nicht erwartet hätte. Es erscheint aber auch fast als Unmöglichkeit, inwieweit dieser Campingplatz in ein gruseliges, 25 Jahre in der Vergangenheit liegendes Verbechen verwoben ist.

 

Christiane Wünsche schafft es, mit „Bleischwer“ die Aufmerksamkeit des Lesers von der ersten bis zur letzten Seite zu fokussieren. Es fällt schwer, das Buch an die Seite zu legen, weil es der Alltag verlangt. Der Alltag gerät in Vergessenheit für denjenigen, der sich von Wünsche in die Campingwelt entführen lässt. Die Entführung auf den „Eifelwind“ kann als kleines Ausspannen und Alltagswellness verstanden werden.

 

Dem Leser geht es durch den Kopf, ob Kriminalromane wie „Bleischwer“ im Sommer während des eigenen Campingurlaubs entsteht, weil Wünsche die Menschen und die Szenen beobachtet und anschliessend in ihre Plots einbaut. Oder macht es Wünsche in der Weise, dass sie sich beim Schreiben eines Kriminalromans während des Winters in die Sommerfreude rettet, um die Kälte und die Einsamkeit am heimischen Computer zu bewältigen. Christiane Wünsche würde sicher mit einem sympathischen Lächeln antworten, würde man ihr zwischen Zelten und Wohnwagen begegnen.

 

Der Kriminalroman „Bleischwer“ bietet eine spannende Geschichte, die unerwartete Wendungen nimmt. Eigentlich hätte der Rückzug der netten Jule und ihre Nachdenklichkeit zu Veränderungen in ihrem Leben führen müssen. In „Bleischwer“ sind es allerdings die Umstände. Ich erwarte den nächsten Camping-Krimi aus der Feder von Christiane Wünsche.

 

 

 

Christiane Wünsche: Bleischwer, Gmeiner – Verlag, Messkirch 2013, ISBN 978-3-8392-1390-2, 311 Seiten, 9.99 Euro.