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Camping-Krimi und mehr

Von Christoph Müller gelesen

Auf einem solchen Campingplatz möchte ich keinen Urlaub machen. Dieser Gedanke schoss mir während der Lektüre des Kriminalromans „Kinderleicht“ immer wieder durch den Kopf. Was auf dem Campingplatz von Jule und Michael in der verträumten Eifel passiert, sucht den Vergleich. Eine Kinderleiche ist der Anfang allen Übels, weil Jule und Michael den Campingplatz mit einem Schwimmbad attraktiver machen wollen. Das gemeinsame Kiffen der jugendlichen Annalena und Benny eröffnen einen anderen Erzählstrang.

Mit „Kinderleicht“ hat die Kriminalautorin Christiane Wünsche eine lebendige und abwechslungsreiche Story geschrieben. Sie verortet den Plot in der scheinbar ruhigen Eifel und im lebhafteren Rhein – Kreis – Neuss. Wer diese Regionen kennt, der wird sich schnell wohlfühlen in den geschilderten Szenen. Unspektakulär gelingt es Christiane Wünsche, die Mentalitäten der Menschen in der Eifel und im Raum Neuss abzubilden.

Ihr gelingt es, einen Spannungsbogen zwischen einer regionalen Vergangenheit und der gesellschaftlichen Gegenwart herzustellen. Denn auf eine sehr überraschende Weise haben die Protagonistinnen und Protagonisten der Erzählplots miteinander zu tun.

Hauptberuflich ist Christiane Wünsche in der Kinder-und Jugendarbeit tätig. Aus dieser Arbeit scheint sie eine Menge Ideen für ihr kreatives Schreiben zu generieren. So vermag sie es, den Roman „Kinderleicht“ nicht nur zu einem Camping-Roman zu machen. Sozialkritische Töne schlägt sie an, als das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und mögliche Hochbegabungen von Kindern und Jugendlichen thematisiert. Es klingt an, wie schwer sich Eltern in der Gegenwart tun, mit dem Nachwuchs parat zu kommen. Fragen von Vernachlässigungen in der Kindheit und Jugend klingen an.

Ja, die Kriminalgeschichte „Kinderleicht“ ist alles andere als leichte Kost. Sie kann in der Weise verstanden werden, dass die Bewältigung der Gegenwart stets eine Herausforderung ist. Nett ist es mitzuverfolgen, wie sehr das Führen eines Campingplatzes das Leben von Jule und Michael ausfüllt. Die Wirklichkeit, die dem freundlichen Pärchen begegnet, macht es ihnen jedoch schwer, ihren Traum leben zu können.

Aufmerksamkeit braucht es, die Zwischentöne des Kriminalromans „Kinderleicht“ zu vernehmen. Denn Christiane Wünsche schafft es fast schon auf eine humorvolle Weise, den Umgang mit Vorurteilen, das Reflektieren von Wertmaßstäben und das nicht stattfindende Schauen über den Tellerrand angesprochen.

Wer in 2015 (aber natürlich auch später) seinen Caravan hinter sein Auto spannt oder sein Wohnmobil besteigt, der / die sollte den Kriminalroman „Kinderleicht“ in seinem Gepäck haben. Denn er ist eine Garantie dafür, dass die Zeit auf dem Campingplatz nicht langweilig wird und vielleicht auch das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht gezaubert wird.

Christiane Wünsche: Kinderleicht, Gmeiner – Verlag, Meßkirch 2014, ISBN 978-3-8392-1620-0, 251 Seiten, 9.99 Euro.