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Gelesen von Christoph Müller

Es scheint vielen Naturistinnen und Naturisten völlig unverständlich, was der Sachautor Falko Löffler in seinem Buch „Bin ich blöd und fahr in Urlaub ? Zuhause bleiben ist der beste Trip“ an Botschaften verkauft. Denn Abenteuerlust und Reisefreude scheinen dem gelernten Literatur-und Medienwissenschaftler Löffler fremd.

Das Buch „Bin ich blöd und fahr in Urlaub ?“ kann sicherlich als Stubenhocker – Fibel beschrieben werden. Darauf spekuliert Löffler. Was das ungwöhnliche Buch lesenswert macht, ist die humorvolle bis provokative Aufarbeitung ganz gewöhnlicher Hürden, die beim Reisen übersprungen werden müssen. Löffler hat offenbar Distanz gewonnen zu eigenen Reiseerlebnissen und Erfahrungen aus seinem persönlichen Umfeld gesammelt, um gelungene Psychogramme von Reisekranken zu schreiben und zum Daheimbleiben aufzurufen.

Böse kann man Falko Löffler nicht sein. Er startet keinen Generalangriff auf engagierte Reisende jeder Art. Er regt jedoch an, die eigene Reisepraxis zu überdenken. Wenn er Reiseverweigerung Wellness nennt, mag dies zu einem Grinsen verleiten. Löffler tritt mit einem sympathischen Selbstbewusstsein auf die Bühne. Nicht anders ist es zu verstehen, wenn Löffler schreibt: „Die Zeit ist reif, die Stubenhocker zu rehabilitieren. Nein, nicht nur das. Wir müssen die freie und bewusste Entscheidung gegen das Verreisen zu dem erklären, was es wirklich ist: ein eigener Lifestyle.“ (14)

Reisen setzt er mit Stress gleich. Und er findet viele Bilder und Situationen, in denen sich diese Weltsicht bestätigen lässt. Er wagt es, einen querdenkerischen Zugang zu manchen Phänomenen, die einem während einer Reise begegnen, zu versuchen. Das Verwunderliche ist, dass es sympathisch wirkt, was er beschreibt. So schreibt er, eine gute Autobahnraststätte sei eine, „die Sie nicht lange von der Reise abhält“(185). Die modernisierten Raststätten der Gegenwart seien gefährlich mit Panoramafenstern und einladenden Spielplätzen. Dies sei eine subtile Art der Gehirnwäsche, „damit Sie länger auf der Raststätte bleiben und irgendwelche hässlichen Schlüsselanhänger kaufen, bevor Sie weiterfahren.“ (186)

Die Fahrer von Wohnmobilen hat Falko Löffler auch auf dem Kicker. Über Wohnmbile schreibt er, ein Wohnmobil fahre sich wie ein leckgeschlagener Öltanker, an dem Rollerblades befestigt seien. Es sei auch ein ungeschriebenes Gesetz, „dass Vati lenkt und Mutti hockt“ (155). So sei der Wohnmobil-Fahrer der Verfechter des Patriarchats.

Das Buch „Bin ich blöd und fahr in Urlaub ?“ als Persiflage abzutun, erscheint zu einfach. Falko Löffler ist mit seiner Gegenwartskritik eine Beachtung wert. Dass man manchmal nicht weiß, weshalb man selber grinst, muss akzeptiert werden. Hauptsache, es bleibt nichts im Halse stecken.

Falko Löffler: Bin ich blöd und fahr in Urlaub ? Zuhausebleiben ist der beste Trip, Goldmann-Verlag, München 2014, ISBN 978-3-442-15819-5, 240 Seiten, 8.99 Eur