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Gelesen von Christoph Müller

Für den deutschen Sympathisanten der Freikörperkultur ist Richard Foleys Buch "World Naked Bike Ride" ein ungewöhnliches Erlebnis. Denn mit Leichtigkeit stellt der engagierte Naturist Foley die besondere Form des Bürgerprotests. Einerseits ist der "World Naked Bike Ride" als Moment der Demonstration für den Umweltschutz zu verstehen. Auf der anderen Seite ist der "World Naked Bike Ride" eine herzliche Präsentation für den Naturismus.

Foley gelingt es, ein schlüssiges Fotokonzept für sein Buch vorzustellen. In aller Natürlichkeit präsentiert er die Menschen, die sich für den Schutz der Natur entkleiden. Die Nacktheit auf den Bildern kommt nicht mit einem ästhetischen oder gar erotischen Anspruch daher. Sie sind Momentaufnahmen aus dem Alltag protestierender Menschen. Es scheint den Menschen, die sich am "World Naked Bike Ride" beteiligen, nicht um das Spektakel zu gehen, mit dem sie Aufsehen erregen.

Wer einen politisch-gesellschaftlichen Protest wagt, der überbringt seine Botschaft mit einer gewissen Heiterkeit. Die Bilder vom "World Naked Bike Ride" haben einen Witz in sich, der nachdenken lässt über den gemeinschaftlichen Sinn solcher Aktionen. Menschen werden auf den Bildern gebannt, die sind, wie sie sind. Es wird nicht provoziert, dass Nacktheit bei den Nacktradlern ein männliches oder ein mehrheitlich weibliches Phänomen ist. Nacktheit erscheint als ein soziales Phänomen.

Es hat schon seinen Reiz, wenn eine bieder gekleidete mittelalte Frau neben einer nackt radelnden jungen Frau her fährt, die mit Körpermalfarben eine Jeanshose unterhalb der Hüfte andeutet. Inwieweit sich eine Leichtigkeit dieser Art in der deutschen Freikörperkultur durchsetzen könnte, mag sich jeder selber beantworten. Es mag sich beispielsweise jeder Mann die Frage stellen lassen, ob er sich unbekleidet gelb anmalen lässt, um das Zeichen für Radioaktivität in schwarzer Farbe darüber abzubilden.

Das Buch "World Naked Bike Ride" ist in englischer Sprache geschrieben. Es ist ein deutliches Plädoyer, naturistische Akzente mit politisch - gesellschaftlichen Fragen zu verbinden. Weder die textliche Konzeption, noch die fotografische Gestaltung des Buchs kommt aggressiv daher. In ihrer Unbedarftheit kommen die Bilder im Besonderen, wie auch das Buch im Allgemeinen mit einer klaren Botschaft daher.

"Conformity is the jailer of freedom" lautet ein Bekenntnis zum Ende des Buchs. Foley geht es darum, den Geist des "World Naked Bike Ride" zu zeigen. Der  "World Naked Bike Ride" ist alles andere als das Bekenntnis zu einer Konformität mit der Lebensweise der gesellschaftlichen Mehrheit. Nach außen ist er ein Bekenntnis zu einer funktionierenden Umwelt, die sich in der Nacktheit ausdrückt. Nach innen geht es um das Verzichten auf Denkverbote.

Richard Foley ist dafür zu danken, dass er mit dem Buch "World Naked Bike Ride" den Tabubruch wagt. Er zeigt, dass Gedanken frei sind, wie es ein altes Lied auch vermittelt. Er überzeugt aber auch, dass jeder nach seiner Facon glücklich und zufrieden leben kann. Ich wäre neugierig, wenn sich im deutschsprachigen Naturismus eine Initiative entwickeln würde, die den Naturismus und die politisch-gesellschaftliche Meinungsäußerung so überzeugend miteinander verbinden würde.

Richard Foley: World Naked Bike Ride, RFI Technical Services, ISBN 978-0-957243-20-0,Milton Keynes 2012, 156 Seiten, antiquarisch erhältlich.