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Philosoph des Naturismus“

Volkmar Ellmauthaler zur „Kultur des Natürlichen“

In den Blick genommen von Christoph Müller

Es ist sicher zutreffend, den Wiener Berater, Coach und Medizinpsychologen als einen Philosophen des Naturismus zu bezeichnen. Sein neues Buch „Von der Kultur des Natürlichen“ dokumentiert die Überzeugungskraft des Querdenkers an der Donau einmal mehr. – Ellmauthlaer vermag es, Begrifflichkeiten mit Inhalt zu füllen. So gibt er der Freikörperkultur im deutschsprachigen Raum, aber auch über die deutschsprachigen Grenzen hinweg ein Gesicht.

Das Wort Freikörperkultur scheint manchmal zu leicht daher gesagt. Ellmauthaler denkt lange über das nach, was er sagen will. So fällt es immer wieder auch schwer, ihm Widerspruch entgegenzusetzen. Denn das Reflexionsvermögen des humanistisch Gebildeten zu erreichen, kann man eher als Ziel der eigenen Existenz beschreiben.

Das Nacktsein kennzeichnet Ellmauthaler als Normalität. Unbekleidet sei ein schönes Wort, das er gerne gebrauche: „…dass wir etwas weglassen, das Anderen, zu welchem Zweck auch immer, dienen mag“. Es sagt auch, es gehe um Äußerliches, das man weglassen könne und dürfe. Diese Gedankenführung lädt Leserinnen und Leser zum Reflektieren ein. Noch mehr: es ermutigt, eine eigene Position zu formulieren.

Ellmauthalers Ideen führen konsequent zur Frage, ob das Nacktleben auch als „weltanschauliches Statement“ verstanden werden kann. Auf diese Fragezeichen antwortet Ellmauthaler mit einer Deutlichkeit, mit der man nicht unbedingt rechnet. Das Nacktleben sei ein Statement gegen Engstirnigkeit, gegen Rituale von Macht und Unterwerfung.

Ellmauthaler und seine Frau Birgit kultivieren den Naturismus so weit, dass sie das Tragen von Kleidung auf ein Minimum reduzieren. Bekleidung sei ein Teil der üblichen Maske, „behindert das Sichtbarwerden der eigenen wahren Befindlichkeit, schafft ein Macht-und Autoritätsgefälle“. Der zeitgenössische Mensch neigt dazu, Ellmauthalers Differenzierungen als Spinnerei abzutun. Wer dies beginnt, wird dem Wiener Naturisten jedoch nicht gerecht.

Ellmauthaler stellt in seinem Buch „Von der Kultur des Natürlichen“ den Naturismus einmal mehr in den Zusammenhang mit der einen oder anderen Überlegung der europäischen Geistesgeschichte. Seinen Überzeugungen gibt er ein Fundament, das nur schwer zu erschüttern ist. Wer Ellmauthaler aus persönlichen Begegnungen kennt, der weiß um seine Klarheit in der Nachdenklichkeit. Sein Buch dokumentiert genau diese Gabe.

Das Buch hat Ellmauthaler als Wendebuch produziert. Die Gedanken finden sich erst in deutscher Sprache, dann als neue Fassung auf Englisch: Man könne für unterschiedliche Mentalitäten und Denkarten nicht wörtlich übersetzen.

Braucht Naturismus über die Grenzen des deutschsprachigen Raum hinaus erfrischende Impulse? Muss das Verstehenkönnen für jede Sprache neu hergeleitet werden? Vermutlich: ja. Insofern ist Ellmauthalers Buch zu wünschen, dass der hier nachlesbare Ruf des „Naturistischen Philosophen“ über die deutschsprachigen Anhänger der Freikörperkultur hinaus gehört und verbreitet wird. Nur so, meint er, sei die Brutalität der Ersatz-Mächtigenzu begrenzen, die allenthalben mit bedeckter, danach in offener Wut aufflammt und bei all den schreienden Anhängern um sich greift.

Volkmar J. Ellmauthaler: Von der Kultur des Natürlichen – Ein Argument für Naturismus, edition L, Wien 2016, ISBN 978-3-902245-13-7, 124 Seiten, 16.50 Euro (zzgl. Versandkosten).