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Angelika Wesner: Der Tod macht niemals Urlaub, Eigenverlag, Schwäbisch Gemünd 2011, ISBN 978-3-00-036529-4, 292 Seiten, 12.50 Euro.

Am Ufer eines Sees mitten in Baden Württemberg wird ein Toter gefunden. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass er nach einem lebhaften Cocktailabend im Wasser ertrunken ist. Bei der Obduktion des Leichnams stellt sich heraus, dass er ermordet worden ist. Der Campingplatz „Swimming Paradise“ ist der Ort des lebhaften Geschehens, in das hinein die Kommissare Jennifer Reitmann und Rainer Sommer geschickt werden.

Reitmann und Sommer sind aufmerksame Zeitgenossen, die auf ganz eigene Weise den Zugang zu den Menschen suchen, die im Kontext des Mordfalls von Bedeutung zu sein scheinen. Undercover bemühen sie sich um das Vertrauen der nichts ahnenden Urlaubs-und Dauercamper auf dem Gelände „Swimming Paradise“.

Immer wieder gewinnt der Leser den Eindruck, dass es bei den Dynamiken auf dem Campingplatz „Swimming Paradise“ um die Zukunft und die Gestaltung eines sich wandelnden Urlaubsortes geht. Die Traditionalisten kämpfen gegen die Bestrebungen, den Campingplatz attraktiver zu gestalten. Der Kriminalroman „Der Tod hat niemals Urlaub“ bietet mehr als die kleinbürgerlichen Diskussionen.

Es menschelt an vielen Orten und bei vielen Gelegenheiten. So wie es einfach ist, so beschreibt Angelika Wesner den Alltag auf dem Campingplatz. Sie scheint genüsslich zu grinsen, wenn sie über die Gartenzwergkolonien und geranienberankten Veranden schreibt. Es scheint sie mehr als zu amüsieren, wenn sie erzählt, wie sich eine junge hübsche Frau an den Hals eines älteren, scheinbar wirtschaftlich liquiden Mannes an den hals wirft.

Zwischen Reitmann und Sommer scheint es eine große Sympathie zu geben, doch will sich das Knistern zwischen den beiden nicht wirklich durchzusetzen. Denn Reitmann lässt sich gar hinreißen, mit einem Hauptzeugen des Verbrechens anzubändeln. Dass dies bei Sommer nicht auf positive Resonanz stößt, verwundert zwar, zeigt jedoch die Normalität des Lebens, was sich in Campingwagen und Vorzelten abspielt.

Reitmann und Sommer machen die Soko Camping aus. Sie haben eine ansprechende Premiere in der Kriminalgeschichte „Der Tod hat niemals Urlaub“. Oder anders gesagt: wer diesen Roman vor seinem Caravan liest, braucht eigentlich nur über den Brillenrand zu schauen, um sich vorzustellen, was Angelika Wesner liebevoll beschreibt.

Als Camper mag man sich nicht vorstellen, dass sich solche Tragödien auf dem Platz abspielen, auf dem man selber Dauercamper ist oder den man in seinem Urlaub erlebt. Die Charakterbeschreibungen Wesner sind so zutreffend, dass man selber Gesichter und Erlebnisse aus der eigenen Caravan-Biographie vor Augen hat. Wer spritzig unterhalten werden will, dabei nicht auf einen gewissen Spannungsbogen verzichten will, der wird mit der Lektüre von „Der Tod hat niemals Urlaub“ sich wohl fühlen.

Gelesen und besprochen von Christoph Müller

Veranstaltungshinweis für Samstag, 25. Juni, 20 Uhr:

http://www.lbn-duisburg.de/de/verein/veranstaltungen.html?mc_id=308