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Verbrechen am Rhein-Herne-Kanal

Von Christoph Müller

Ist es vorstellbar, dass im Schatten des Gasometer in Oberhausen gruselige Verbrechen stattfinden? Eine der eindrucksvollsten Ausstellungshallen in Deutschland steht für das Schöne, während in den Nachbarschaften um den Stahlkoloss herum Abgründe offenbar werden. Die Autorinnen und Autoren der Anthologie "Tatort Gasometer" sorgen zumindest dafür, dass man sich den Gasometer und seine Umgebung als Ort des Verbrechens vorstellen kann.

Es sind Menschen, die den Geist und den Atem Oberhausens kennen. Sie leben im Ruhrgebiet, nutzen die Orte am Rhein-Herne-Kanal, um der Phantasie freien lauf zu lassen. Die Geschichten, die sich indem Band "Tatort Gasometer" finden, sind die besten Stories aus einem Schreibwettbewerb, den die Westdeutsche Allgemeine Zeitung ausgeschrieben hatte.

Es ist ein amüsierendes und kurzweiliges Vergnügen, die Anthologie zu lesen. Denn die Geschichten schaffen es unter anderem, die Mentalität der Menschen um den Gasometer herum einzufangen. In Thomas Benekes Geschichte "Das zweite Gesicht" geht es um den Tod eines Altenheimbewohners während eines Ausflugs zum Gasometer. Mit einem Schmunzeln nimmt man die Andeutungen des Autoren wahr und spürt, wie eine virtuelle Else Stratmann vor den eigenen Augen erscheint.

Oder die Geschichte "Omma hat dat so gewollt" aus der Feder von Marco Fileccia - sie endet damit, dass Urnenasche von der Plattform des Gasometer in den Wind gestreut wird. Fileccia bringt mit dieser Episode auf den Punkt, was sich wahrscheinlich viele Menschen an Rhein und Ruhr wünschen: dass ihre Asche an einem so ausgewiesenen Ort ausgestreut wird.

Den Geschichten geht es nicht darum, Kriminalliteratur vom Feinsten zu präsentieren. Ziel ist es, die Identifikation mit der sich ständig wandelnden Region zu ermöglichen. Es gelingt über die unterhaltsamen Aspekte der zwölf kurzweiligen Geschichten, die eigene Sympathie für das Ruhrgebiet zu pflegen oder Gefallen an der Region zu finden.

Andreas Tyrock (Hrsg.): Tatort Gasometer, Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1508-4, 111 Seiten, 7.95 Euro.