Aktuell

Hier kann ich FSG

                fsg-jugend

            Mitglied werden

1, 2, 3, laufe nackt und fühl dich frei !

 

       

 

 

 

MERIAN – Heft Rheinhessen – Mehr als nur durchgeblättert von Christoph Müller

Es ist eine sympathische Region, die viel Faszination und noch mehr Tradition bietet. Und wer durch das MERIAN – Heft „Rheinhessen“ blättert, der wird auch sagen: „Dies ist gut so.“ Es ist vor allem das Atmosphärische dieser Region, das die zahlreichen Autorinnen und Autoren zur Sprache bringen. Der Essayist Harald Martenstein ist ein beredtes Beispiel mit seinen Gedanken über die Stadt Mainz: „Ich könnte, aus tausend Gerüchen und mit verbundenen Augen, immer die schwere, feuchte Rheinluft erkennen, die im Sommer über der Stadt liegt und ihr an den warmen Abenden etwas beinahe Tropisches gibt ...“ (S.34)

Es ist eine ausdrückliche Sympathie, eine tiefe Zuneigung, die die Frauen und Männer, die den Bleistift für das Merian – Heft „Rheinhessen“ gespitzt hatten bzw. den Fotoapparat parat gehalten hatten, mit den Texten und Fotografien zum Ausdruck bringen. Was die Schriftstellerin Eva Demski und der Dramaturg John von Düffel in ihren Beiträgen durchschimmern lassen, zeigt eine Menge Wärme und Freundlichkeit, die Rheinhessen auszustrahlen vermag.

Nicht umsonst hat es wohl ein blühendes religiöses Leben in Rheinhessen gegeben. Zeugnis davon geben so großartige Kirchbauten wie den Mainzer und den Wormser Dom. Es hat am linken und rechten Rheinufer immer auch ein blühendes jüdisches Leben gegeben, das den Menschen im Rheingau und an den Rändern der Pfalz den Sinn für die Pluralität der Weltanschauungen und religiösen Überzeugungen bewahrt hat. Verena Carl schreibt mehr als eindrücklich: „Wenn Kirchen Gottes Häuser sind, dann ist Rheinhessen Gottes Musterhaussiedlung.“ (S.68)

Wo selbst bei der Betrachtung der Architektur mit einem Auge schelmisch geblickt wird, dort muss auch der Karneval seine Heimstatt haben. Und wo die Fastnacht daheim ist, dort blühen auch die Geschichten über die fünfte Jahreszeit. In einem Reisemagazin darf diese Seite der Region nicht fehlen. Den „Schunkel-Camp“ nennt Peter Münch die Karnevalssendung „Mainz, wie es singt und lacht“. Er hat sich unter die Jecken gemischt, damit er wissen konnte, worüber er schreibt. Er erzählt in seiner Reportage von Szenen vor und hinter den Kulissen der legendären Karnevalssitzung. Wenn er nicht schon vor seiner Teilnahme an dem Ereignis im Mainzer Schloß Karnevalsfreund gewesen ist, so wird er es nach seinem Dabeisein gewesen sein. Nicht anders sind seine Worte zu verstehen: „600 Narren stehen und klatschen im Takt. Es regnet Konfetti und Luftschlangen., schließlich schweben auch die Ballons herunter. Beim Zertreten und Zerstechen hört es sich an wie beim Feuerwerk.“ (S.44)

Für viele Menschen ist Rheinhessen eine Region, die es kulinarisch zu genießen gilt. Die regionale Küche hat seine Reize. Handkäs, Pfifferlinge und geschmorte Ochsenbäckchen lassen sich am plätschernden Rheinufer ganz hervorragend genießen. Was auf dem Tisch steht, passt unglaublich gut zur ansprechenden Umgebung. Die Freude am Wein – und für viele auch nur am Traubensaft – wächst, wenn inmitten der Weinberge das Glas erhoben wird. „Rheinhessische Lebensart“ heißt für die Sommeliere Nora Breyer nicht umsonst: „Nicht lange nachdenken, hinhocken, probieren, schmecken – und nachschenken.“ (S.64)

Das MERIAN-Heft Rheinhessen macht neugierig auf eine lebendige, aber auch gemütliche Region. Sie zu erkunden lohnt sich mit einem Tagesausflug genauso wie mit einem verlängerten Wochenende. Es kommt jeder auf seine Kosten, jeder kann seine Seele baumeln lassen – ob er nun kulturell interessiert ist, einfach nur in den malerischen Weinbergen wandern oder die kulinarischen Vorzüge genießen will. Danke für diese Liebeserklärung.

http://www.merian.de/heft/rheinhessen