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Gelesen von Christoph Müller

Wo in früheren Zeiten einmal die Dampf-oder Diesellokomotiven gedampft haben, dort zischen heute nur noch die Radfahrer, die möglicherweise an die eigenen körperlichen Grenzen kommen. Der frühere Eisenbahner und heutige Radelfreund Peter Wolter hat in dem Buch „Mit dem Fahrrad auf alten Bahntrassen“ seine Leidenschaften auf den Punkt gebracht. Denn er hat die Tourismus-und Marketing-Idee, alte und ungenutzte Bahntrassen zu Wander-und Radwegen umzuwidmen, aufgegriffen. Mit seinem Buch weist er auf ein Freizeiterleben der Zukunft hin.

Bahn und Rad stellen überhaupt eine ideale Symbiose dar, wenn es darum geht, sich Landschaften und Regionen auf angenehme und umweltfreundliche Art zu erschließen“, schreibt er in seiner Einladung zu seinem Buch. Die ehemaligen Bahnstrecken seien vielfach mit alten Bäumen und Buschwerk zugewachsen, was ideal vor zu viel Sonne, Wind und Regen schütze. Es gehe auf Dämmen oder über Brücken und Viadukte erhöht über die Landschaft hinweg. Lohnende weite Blicke in die Umgebung seien wie eine Belohnung, genauso wie die gelegentlichen Fahrten durch die Tunnel, schreibt er.

Als Radler und Eisenbahner weiß Wolter, wovon er schreibt. Diese Liebe drückt sich in seinen vielfältigen Beschreibungen zu den abwechslungsreichen Strecken aus. Das Schöne an seinem Radelführer ist, dass er den interessierten Freizeitsportler auf Regionen und Strecken hinweist, auf die man nicht auf Anhieb kommt. Der potentielle Erprober dieser attraktiven Radrouten muss sich keine Gedanken machen, wie er sich organisiert, um sein Auto nicht ewig weit von seinem Zielort stehen zu haben. Wolter lässt die Radtouren an Bahnhöfen beginnen und enden. So erledigt sich manches lebenspraktische Problem.

Beispielsweise lässt Wolter die Menschen vom westfälischen Bocholt ins niederländische Enschede radeln. Er schreibt nicht nur viel über die Ortschaften, die passiert werden. Er verliert auch einige Worte zur ungenutzten Bahntrasse. Aus wirtschaftlichen Gründen sind solche Bahnstrecken häufig gebaut worden. Er berichtet in diesem Zusammenhang davon, dass nach dem zweiten Weltkrieg Radwege in der Region genutzt worden seien, um Alltagsgüter zu schmuggeln. „Ganz findige Tüftler haben es sogar geschafft, die Fahrradreifen mit Kaffeebohnen zu füllen“, schreibt Wolter.

Der Radweg von Minden nach Leese lässt die landschaftlichen Reize der Weser bzw. des Weser-Radweges erleben. Wer von Duisburg Meiderich nach Duisburg – Walsum radelt, der erlebt die Route Industriekultur und kann sich von den Industriekathedralen des Landschaftsparks Nord in Duisburg oder dem Förderturm der Zeche Sterkrade beeindrucken lassen. Wer sein Rad von Olpe nach Remscheid – Lennep sattelt, der wird das Oberbergische und seine Reize erleben.

Peter Wolters Buch „Mit dem Fahrrad auf alten Bahntrassen“ hat die unterschiedlichen Regionen Nordrhein-Westfalens im Blick. Jeder kann sich die Region und die Landschaft seines Herzens aussuchen. Das Weserbergland und das Sauerland, die Eifel und der Niederrhein sowie noch einiges mehr bieten eine Menge, um dort Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Fahrrad zu machen. Überall gibt es eine Menge Geschichte und Geschichten zu erleben. So ist einmal mehr bewiesen, dass es den Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht langweilig werden muss.

Peter Wolter: Mit dem Fahrrad auf alten Bahntrassen – Radtouren in NRW, Droste Buchverlag, Düsseldorf 2015, ISBN 978-3-7700-1502-3, 180 Seiten, 14.95 Euro.