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Gelesen von Christoph Müller

 

Das Erstaunen ist groß, wenn die Mutter oder der Schwiegervater plötzlich wegen einer nicht mehr zu bewältigenden Pflegebedürftigkeit in eine Altenhilfeeinrichtung muss. Die meisten Menschen bekommen nicht soviel Rente, dass das Leben im neuen Zuhause aus dem eigenen Portemonnaie finanziert werden kann. Ein Sozialhilfeantrag muss gestellt werden. Die Sandwichgeneration hat eine sogenannte Rechtswahrungsanzeige im Briefkasten und muss die eigenen Verhältnisse gegeüber der finanzierenden Kommune offenlegen.

 

Es sind schwere Stunden in einer Familie. Denn diejenigen, die womöglich das Leben im Altenheim mitfinanzieren müssen, empfinden subjektiv einen enormen Druck. Der Ratgeber „Elternunterhalt“, den die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgegeben hat, nimmt den Druck aus dem Schlauch.

 

Mit dem Buch „Elternunterhalt – Kinder haften für ihre Eltern“ liefern die Autoren Günther Dingeldein und Martin Wahlers ein Handbuch ab, das die Auseinandersetzungen um die finanzielle Unterstützung der alten Generation auf eine sachliche Ebene holt. Wer es durcharbeitet, der versteht den Begriff des Generationenvertrags noch einmal anders. Die Generationen tragen füreinander Verantwortung.

 

Wahlers und Dingeldein haben es sich nicht zur Aufgabe gemacht, mit einer gewissen Schlitzohrigkeit die Regelungen des Staats zu umgehen. Sie sorgen mit dem Buch für das Verständnis des Systems. Dies macht den Charme des Buchs „Elternunterhalt“ aus.

 

Bereits im Vorwort machen sie die Leserinnen und Leser darauf aufmerksam, dass die-oder derjenige, der von einer Rechtswahrungsanzeige des örtlichen Sozialamts betroffen ist, seine eigenen Grenzen erleben wird. Sie raten zur Hinzuziehung von Fachanwälten, wenn die Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt aufgrund sachlicher Entscheidungen anstehen. Wer versuche, „selbst aus dem Gesetz oder mithilfe von Leitsätzen und Urteilen zu argumentieren, begibt sich schnell aufs Glatteis und schadet seinem Anliegen unter Umständen mehr als ihm zu nützen“, schreiben Dingeldein und Wahler.

 

Es sind einige Hausaufgaben zu machen für den-oder jenige(n), die das Buch „Elternunterhalt“ ernstnehmen. Von Unterhaltsberechtigung und Unterhaltsverpflichtung liest man. Auskunftspflicht und Leistungsfähigkeit sind Vokabeln, die die Autoren anschaulich erklären. Es ist ein Buch, das dem interessierten Leser die Angst davor nimmt, dass das örtliche Sozialamt den Menschen aus der Sandwichgeneration nun finanziell ausbluten lässt.

 

„Die Kinder müssen also weder für das aufkommen, was die Eltern durch den Renteneintritt an Einkommen verlieren noch für Dinge, die sie sich nun nicht mehr leisten können. Nur dann, wenn die Eltern noch nicht einmal das Nötigste zum Leben haben, kann es sein, dass die Kinder für den Mindestbedarf der Eltern, das Existenzminimum aufkommen müssen.“ (42/43)

 

Während der Lektüre des Buchs „Elternunterhalt“ geht dem gegenwartskritischen und zukunftspessimistischen Leser durch den Kopf, welche Bedeutung denn bei der demographischen Entwicklung der Elternunterhalt bekommen wird. Prognosen diesbezüglich versuchen Dingeldein und Wahler gar nicht erst. Es scheint ein Thema zu sein, das noch viele Jahre und Jahrzehnte aktuell sein wird – in der ein oder anderen Nuance. Es lohnt sich nicht, sich von den Behörden ins Bockshorn jagen zu lassen. Dies ist eine Botschaft des Ratgebers „Elternunterhalt“.

 

Frank Bräutigam et al. (Hrsg.): Elternunterhalt – Kinder haften für ihre Eltern, Verlag Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2013, ISBN 978-3863366193, 174 Seiten, 11.90 Euro.